verblendung 225x300 Verblendung die ZweiteMan kann sich fragen, ob sich David Fincher mit einer zweiten Version der großartigen schwedischen Verfilmung einen Gefallen getan hat. Um es kurz zu machen, ja, hat er! Sollte das Publikum eine amerikanisierte Version der Millennium Reihe sehen? Ja, sollte es!

Die amerikanische Version des schwedischen Vorgängers hat, auch aufgrund eines überragenden Daniel Craig als Mikael Blomkvist und einer grandiosen Rooney Mara als Lisbeth Salander leicht die Nase vorn.

Man sollte die geschriebene Millennium Reihe eher nicht als Schablone für den Film nehmen. Das würde, auch aufgrund seiner ganzen Komplexität, das Publikum verwirren. Aber trotz der gestrichenen Passagen aus dem kolossalen Meisterwerk der Autors Stieg Larsson, ist dem Regisseur David Fincher, nach “Sieben”, ein zweiter grandioser Coup gelungen. 158 Min voller Spannung lassen den Zuschauer vergessen, dass sie schließlich fast drei Stunden auf ihren Plätzen sitzen. Fincher hätte auch 240 Minuten zeigen können, und der Film hätte sich, gefühlt, nicht in die Länge gezogen.

Vielleicht ist Verblendung aber auch wegen seiner Tagesaktualität so interessant. In Anbetracht des Norwegischen Attentäters Breivik oder auch der deutschen Zwickauer Zelle, zeigt der Film uns doch auch, das der schon tot geglaubte braune Sumpf noch allgegenwärtig ist. Der Film ist schonungslos. Seine Gewaltszenen sind schockierend und haben durch die seichte Enya-Musik ala Orinoco Flow doppelte Wirkung.

An sich wirft dieser Film keine Kontroversen auf. Eher die Frage, warum so kurz nach dem schwedischen Vorgänger, der in seiner Umsetzung eine nicht mindere Qualität aufweist, eine zweite Version gedreht wurde. Einerseits, denke ich, dass das amerikanische Publikum, welches den europäischen Film noch immer Stiefmütterlich behandelt, eine Hauseigene Produktion eher annehmen würde. Andererseits wollte Fincher hier wohl seine eigene Interpretation, die sich, doch mehr als ihr Vorgänger, an die Romanvorlage Larssons hält, umsetzen.

Daniel Craig hat in diesem Film gezeigt, dass er ein vollkommener Schauspieler ist. Von seinem Image ala Janmes Bond ist hier nichts zu spüren. Man entdeckt eine ganz andere Seite an ihm. Craig und Rooney Mara stellen ein perfektes Team. Voller knisternder Erotik ohne Übertreibung. Man kauft ihnen eine gewisse Seelenverwandtschaft ab.

Einzig das Ende hätte doch etwas spektakulärer sein können. Es ist ein absolutes Sahnestück der amerikanischen Filmindustrie. Nur die Schokostreusel zum Schluss sind vergessen worden.

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